Facebook will zum neuen Online-Marktplatz werden

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Zuerst Kommunikation, dann Suche und Handy-Welt und jetzt Online-Handel: Facebook ist alles andere als bescheiden, wenn es um die Eroberung des Internet geht. „Man kann jedes Produkt sozial machen“, sagte Mark Zuckerberg selbstbewusst anlässlich der Präsentation von neuen App-Funktionen vor einigen Wochen. Somit verwundert es wenig, dass seine Firma derzeit laut einem Business-Week-Artikel vieles daran setzt, Online-Händler auf seine Seiten zu holen. Der neue Beauftragte für kommerzielle Partnerschaften von Facebook, David Fisch, soll sich bereits mit etwa 20 Firmen (u.a. Delta Airlines, J.C. Penney) getroffen haben, um die eCommerce-Initiative anzuleiern. Ihm und Zuckerberg schwebt offenbar vor, die Facebook Pages in Online-Shops zu verwandeln. Ein künftiger Online-Marktplatz bei Facebook würde sich zwischen folgenden Eckpfeilern abspielen:

1. Empfehlungs-Marketing

Der derzeitige Platzhirsch in Sachen eCommerce, Amazon, hat mit Facebook diesbezüglich schon angebandelt: Seit Sommer 2010 (Techcrunch berichtete) kann man sein Amazon.com-Konto mit seinem Facebook-Profil verknüpfen. Dann wird man seitens Amazon an die Geburtstage seiner Freunde erinnert, natürlich zu dem Zweck, auch gleich etwas Passendes zu bestellen. Die Vorschläge dazu liefert Amazon auf Basis der Facebook-Interessen der Freunde (z.B. CDs, Filme, Bücher etc.). Wenn bei Facebook die ersten Online-Shops öffnen, würde die Sache nicht anders aussehen: Eigentlich für private Zwecke bekannt gegebene Vorlieben und Hobbys werden zu Marketing-Zwecke ausgewertet.

2. Pages in Shops verwandeln

Heute schlagen sich Firmen noch mit Facebook herum, wenn sie Gewinnspiele auf ihren Facebook-Seiten veranstalten wollen. In Zukunft wird das kein Thema mehr sein, denn Pages werden dann einen eigenen Online-Shop ersetzen. Facebook hat dazu bereits Verhandlungen mit dem Start-up Payvment aufgenommen, das genau darauf spezialisiert ist. Sie bieten Unternehmen an, „Facebook Stores“ zu eröffnen und übernehmen die technische Abwicklung. Derzeit ist das noch kostenlos, in Zukunft könnte Payvment zwischen 5.000 und 10.000 Dollar pro Monat für die Wartung eines solchen Netzwerk-Shops verlangen.

3. Zahlen mit Credits

Mit welcher Währung in diesen „Facebook Stores“ gezahlt wird, liegt auf der Hand: Facebook Credits, die derzeit zum Kauf von virtuellen Gütern in Spielen wie FarmVille dienen. Der Vorteil wäre eine einheitliche Währung und international vergleichbare Preise für die Nutzer, profitieren würde aber vor allem Facebook selbst. Derzeit schneidet das Online-Netzwerk 30 Prozent bei jeder Transaktion von Facebook Credits mit. Eine solche Vermittlungsgebühr wäre bei realen Gütern wohl unrealistisch. Ein Problem für die Nutzer: Bei virtuellen Währungen verliert man leichter den Überblick, weil man immer umrechnen muss. Dadurch könnte man sich verleitet sehen, mehr auszugeben als gewollt.

4. Alternative zu Amazon und eBay

Offiziell heißt es seitens Facebook, dass man selbst keine eCommerce-Dienste bauen will, sondern das Thema „social commerce“ pushen möchte. Tools wie der Like-Button sollen anderen Unternehmen dabei helfen, in dem Bereich Fuß zu fassen. Damit könnte man eine Alternative zu Größen wie Amazon und eBay aufbauen und neue Märkte erschließen. Ich sehe Facebook nicht als einen weiteren Buch-Shop, sondern eher als Plattform, über die man vor allem Dienstleistungen (Flüge, Urlaub, Hotels, etc.) kauft. Für diese Angebote gibt es noch keine zentrale Anlaufstelle im Web.

5. Große Frage Datenschutz

Mit dem Werbe-System „Beacon“ hat Facebook schon einmal einen großen Bauchfleck hingelegt. 2007 gestartet, 2009 wieder abgedreht, sorgte der Dienst sogar für eine Sammelklage gegen Facebook und einige seiner Partner-Firmen (u.a. Fandango und Zappos), weil Nutzerdaten an deren Facebook-Freunde weitergegeben wurden. Legendär ist etwa der Fall des US-Amerikaners Sean Lane (Washington-Post-Bericht), der einen Ring für seine Frau zu Weihnachten kaufte. Leider wurde sein Kauf via Beacon an alle seine Facebook-Freunde weitergeleitet, unter anderem seiner Frau. „Christmas ruined“, kommentierte Lane damals.

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