INQ-Handys: Mit direktem Draht zu Facebook

INQ Mobile Credit: INQ Mobile

Seit vielen Monaten warten Analysten und Insider auf die Präsentation eines eigenständigen Handys aus dem Hause Facebook – und seit Monaten werden sie enttäuscht (mein Blog-Eintrag dazu hier). Die Bausteine, so wird argumentiert, hätte Facebook ja längst beisammen: Entsprechende Software, fähige Mitarbeiter (v.a. der Ex-Googler Eric Tseng), eine riesige Nutzergemeinde als potenzielle Käufer – und die richtigen Connections. Denn mit dem Hongkonger Multi-Milliardär Li Ka-shing – er pumpte insgesamt 120 Millionen US-Dollar in Zuckerbergs Firma – hat man einen direkten Draht zur Mobilfunk-Branche. Ihm gehört das Unternehmen Hutchison Whampoa Limited, das in den europäischen Ländern Österreich, Italien, Großbritannien, Dänemark, Irland und Schweden als der Handy-Betreiber 3 auftritt. Und zu diesem Konzern, der auf Häfen und Hotelketten betreibt, gehört auch der kleine Mobiltelefon-Hersteller INQ Mobile mit Hauptsitz in London.

Vor knapp zwei Jahren habe ich INQ Mobile in London besucht, um Details zu einem kolportierten Twitter-Handy zu erfahren. Die kleine Firma, die sich betont jugendlich gibt, sieht sich als Hardware-Macher für das Web 2.0. Den Anfang machte 2008 das Skypephone, das eine direkte Integration des VoIP-Anbieters ins Betriebssystem vorsah und natürlich bei 3 ins Portfolio aufgenommen wurde. Danach kam mit dem INQ 1 das erste „Facebook-Handy“ auf den Markt, das sich seinen Beinamen durch eine tiefe Verwurzelung des Online-Netzwerks in die Software verdienen wollte. Man konnte Facebook-Direktnachrichten so einfach wie SMS verschicken, bekam Status-Meldungen der Freunde „live“ auf das Display und seine Schnappschüsse direkt ins Profil hochladen. Dem INQ 1 folgten dann das INQ Mini 3G und dessen Bruder INQ Chat 3G, die zu den bereits unterstützten Web-Diensten (Skype, Facebook, Last.fm, eBay) auch Twitter direkt ins Betriebssystem holten.

Jetzt hat INQ Mobile rechtzeitig zum Mobile World Congress in Barcelona wieder neue Handys präsentiert – und wieder hat man mit weiteren Web-Firmen angebandelt. Das INQ Cloud Touch und sein Bruder INQ Cloud Q (mit ausziehbarer Tastatur) basieren auf Googles Handy-Betriebssystem „Android“ (Version 2.2) und bieten alle Standards, die günstige Smartphones heute so bieten: WLAN, 3G, 5-MP-Kamera und Bluetooth sind selbstverständlich an Bord. Zentral sind aber die Widgets und Apps für die Facebook-Nutzung: So bekommt der Newsfeed einen Platz am Start-Screen, ist der Chat wichtiger als die SMS-Funktion und werden die Facebook-Freunde in einer eigenen Kontaktliste gesammelt. Interessant ist auch die Partnerschaft mit dem schwedischen Musik-Start-up Spotify: Dessen Streaming-Service hat ein eigenes Widget bekommen, damit die Nutzer sich die Spotify-Songbibliothek direkt in die Kopfhörer streamen können. Interessant auch hier: Li Ka-shings Investmentfirma Horizon Ventures (www.horizonvc.com) ist mit etwa 20 Prozent an Spotify beteiligt, und INQ-Mobile-Chef Frank Meehan sitzt im Vorstand der schwedischen Musik-Maschine.

Vorerst sind die beiden Geräte für den britischen Markt bestimmt, werden es aber wohl auch nach Österreich schaffen. So nett die Geräte auch klingen, so stutzig sollten den Nutzer zwei eigentlich banale Fakten machen: Zum einen bezieht sich der Name „Cloud“ der beiden neuen Geräte auf das so genannte Cloud Computing, zum anderen bieten die Geräte gerade einmal vier Megabyte internen Speicher (eine Option zum Aufrüsten gibt es). Damit ist klar, wohin die ganzen Nutzerdaten hin fließen sollen: zur werbewirtschaftlichen Auswertung auf die Server von Facebook. Ganz im Interesse seiner geschäftlichen Partner INQ Mobile, Li Ka-shing und Spotify.

 

HTC Facebook Credit: HTC

Update: Nach INQ Mobile hat auch HTC eigene Facebook-Handys auf der Barceloner MWC gezeigt. Das „Salsa“ und das „ChaCha“ zeichnen sich durch einen kleinen Facebook-Button unten aus, der auf Knopfdruck Verbindung zum Online-Netzwerk aufbaut. Ist man etwa in der Foto-Funktion, lädt man das Bild mit dem Knopf automatisch in sein Profil, hört man Musik, kann man Titel und Interpreten damit als Statusmeldung posten. In einem Blog-Eintrag schrieb Facebook-Ingenieur Charles Wu, dass man im Laufe des Jahres noch „Dutzende“ weiterer Geräte sehen werde, die tief integrierte Facebook-Funktionen bieten.

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