Soziale Suche: Der Pakt gegen Google

Microsoft_Facebook_Credit: Gregor Gruber

Als Microsoft im Oktober 2007 240 Millionen Dollar bei Facebook investierte und dafür 1,6 Prozent an der Firma erhielt, schüttelte so mancher den Kopf. Einen so kleinen Anteil für so viel Geld? Tatsächlich war der Schachzug von Steve Ballmer, der Facebook eigentlich übernehmen wollte, genial. Ihm dürfte klar gewesen sein, dass seine Software-Firma dem großen Erzfeind Google bei Web-Diensten keine Paroli bieten kann, Facebook aber sehr wohl. Mit dem Investment war Zuckerbergs Online-Netzwerk plötzlich 15 Milliarden Dollar schwer, und jeder noch so große Skeptiker musste sich eingestehen, dass Facebook viel Geld wert ist. Ballmer positionierte Facebook damit geschickt gegen die Nr. 1 des Internet, Google.

Jetzt bekommt Microsoft etwas für sein Geld: Seine Suchmaschine Bing darf in den USA ab sofort auf die Interessen der Facebook-Mitglieder zugreifen, um einem Suchenden Ergebnisse anzuzeigen, die seinen Freunden gefallen. Dazu werden die Daten der „Gefällt mir“-Funktion (auch „Like-Button“) ausgewertet, die bereits in mehr als zwei Millionen Webseiten integriert ist. Wenn man  nach einem Produkt, einer Marke oder einer Firma sucht, bekommt man angezeigt, welche Facebook-Freunde ihn gut finden. Daraus soll sich der User ein besseres Bild machen können, ob der Web-Inhalt interessant für ihn ist.

Automatische Datenweitergabe

Damit der neue Suchtrick funktioniert, arbeitet die so genannte „Instant Personalization“ im Hintergrund: Wenn ein eingeloggter Facebook-Nutzer auf Bing.com surft, werden seine Daten – insbesondere seine „Likes“ und die Freundesliste – an die Suchmaschine ungefragt und automatisch übermittelt, damit diese die Ergebnisse personalisieren kann. Aus der Neuerung verspricht sich Microsoft, das seit längerem die interne Suchfunktion bei Facebook mit Technologie versorgt, einen Vorteil gegen Google. Anstatt Suchergebnisse auf Basis von komplizierten Algorithmen zu berechnen, werden bei der angestrebten sozialen Suche die Interessen des Bekanntenkreises herangezogen, um Suchergebnisse zu gewichten. Gefragt werden die Nutzer nicht, ob ihre Like-Informationen weitergegeben werden dürfen. Wer die Funktion abschalten will, muss das in seinem Profil unter „Privatsphäre-Einstellungen“ -> „Umgehende Personalisierung“ tun (in D und Ö noch nicht verfügbar).

Ob die Nutzer dadurch eine bessere Internet-Suche geboten bekommen, ist fraglich. Denn die Qualität der Suchergebnisse ist dann vom Wissen des persönlichen Online-Bekanntenkreises abhängig. Außerdem droht damit, dass sich die User immer stärker in so genannten Mikro-Öffentlichkeiten bewegen, in denen nur mehr zählt, was die eigenen Freunde gut finden. Der Blick über den Tellerrand fällt bei Bing und Facebook, aber ganz allgemein im Social Web, weg. Personalisierende Technologien setzen uns gewissermaßen Scheuklappen auf, und Zuckerbergs Firma ist jene, die diese am stärksten vorantreibt.

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