Angetestet: Die iPad-App von Facebook ist da

Facebook iPad Jakob Steinschaden

Eigentlich ist sie schon vor einigen Monaten im Code der iPhone-App entdeckt worden, jetzt steht sie endlich in Apples App Store zum Download bereit: Die iPad-App von Facebook. Sie ist natürlich kostenlos und soll als Universal-App (Version 4.0) allen weltweit 250 Millionen iOS-Nutzern neue Features auf den Touchscreen bringen – in erster Linie aber natürlich jenen 75 Prozent Tablet-Besitzer, die ein iPad (1 und 2) besitzen. Außerdem nutzen rund 350 Millionen Mitglieder das Online-Netzwerk regelmäßig auf mobilen Geräten (dafür gibt es auch ein Update für m.facebook.com). Ich habe bereits Gelegenheit gehabt, die neue App auf iPad und iPhone anzutasten.

Das Design ist stark an die Webseite angelehnt: oben links die drei Notifikation-Knöpfe für Freundschaftsanfragen, Direktnachrichten und Benachrichtigungen, der Newsfeed groß unten (mit Switch-Möglichkeit zwischen „Hauptmeldungen“, „neueste Meldungen“, „Statusmeldungen“, etc.). Neu ist die ausklappbare, dunkelgrau unterlegte Navigationsleiste links, über die man zu Veranstaltungen, Freundesliste, Nachrichten, den eigenen Facebook-Seiten, Gruppen und Anwendungen gelangt. Rechts neben dem Newsfeed wird (sofern die Navigation links ausgeblendet ist) der Chat angezeigt. Wer das iPad gerne im Hochformat hält, hat Pech – dann ist die Chat-Leiste nicht eingeblendet. Die iPhone-App ist ebenfalls neue designt: Den Startbildschirm mit den neun Symbolen gibt es nicht mehr, man landet nach dem Login an der eigenen Pinnwand – die demnächst wohl in die neue Timeline-Optik überführt werden wird.

IPad Newsfeed Screenshot

Positionsangaben von Freunden lassen sich über den Menüpunkt „In der Nähe“ abrufen: Hier kann man sich auf einer Google-Maps-Kartenansicht (Investor Microsoft ist nicht mit Bing Maps integriert) die Ortsangaben von Freunden anzeigen lassen. Dazu passt auch die Veröffentlichungsmöglichkeit des eigenen Aufenthaltsorts über die Funktion „Wo bist du?“: Anstatt ein Status-Update zu schreiben, wählt man aus einer Liste aus, in welchen Lokal, Geschäft, etc. man sich befindet.

IPad Ortung Screenshot

Fotos werden vor allem in der iPad-App großgeschrieben. So lassen sich Fotoalben im Vollbildmodus durchblättern, was aber nicht immer schön aussieht. Denn wenn man früher Fotos bei Facebook hochlud, wurden diese stark komprimiert – aufgeblasen auf das Display des iPad sehen diese sehr pixelig aus. Gut ist, dass die App bekannte Gesten wie „Swipe“ oder „Pinch-to-Zoom“ versteht, was das Durchblättern der Fotoalben intuitiv macht.

IPad Fotos Screenshot

Videos lassen sich im Vollbildmodus betrachten und sollen außerdem via „AirPlay“ und „AppleTV“ auf einem TV-Gerät wiedergegeben werden können. Die Schaltfläche dafür konnte ich allerdings noch nicht finden. iPad-2-Besitzer sollen außerdem selbstgeschossene Fotos und Videos direkt hochladen können (ich habe „nur“ ein Einser-iPad).

Apps Facebook setzt bei seiner neuen App stark auf die App-Welt von Apple. Wird in einem Status-Update eines Freundes etwa eine iOS-App erwähnt, ist diese direkt verlinkt – entweder öffnet der Link die installierte App auf dem eigenen iPad oder führt zur Download-Seite in Apple App Store. Warum welche Apps in der linken Navigationsleiste angezeigt werden, ist allerdings nicht ganz klar. Wahrscheinlich handelt es sich um drei, die man zuletzt bzw. am intensivsten nutzt. Achtung: Es muss sich dabei nicht um eine Facebook-App handeln (z.B. FarmVille), sondern gemeint sind alle Apps jener Web-Dienste, die man mit Facebook verknüpft hat, also etwa Foursquare, Yelp oder AirBnB. Künftig soll man Facebook-Apps im Vollbildmodus direkt in der App spielen können, außerdem soll man mit „Credits“ virtuelle Güter und Dienstleistungen zahlen können.

IPad Einstellungen Screenshot

Einstellungen zu „Konto“ und „Privatsphäre“ lassen sich über die App ebenfalls tätigen. Hier muss man Facebook aber einen Vorwurf machen, da diese Bereiche Design-technisch stark vernachlässigt wurden. Während überall sonst Schaltflächen etc. auf die Berührung per Finger angepasst wurden, sind die Bereiche für die Einstellungen in viel zu kleiner Schrift und mit zu kleinen Knöpfen versehen, die man mit den Fingern nur schwer erwischt. Facebook will es den Nutzern aso offensichtlich nicht erleichtern, Einstellungen über die iPad-App anzupassen. Ein dickes Minus also hinsichtlich Usability.

Gegen Apple und Google richtet sich die neue App (eine Android-Version ist in Arbeit) natürlich auch – wenn auch etwas hintergründig. Denn Facebook hat die Hoffnung (Stichwort „Project Spartan“), dass die Nutzer künftig vermehrt Facebook-Apps nutzen und nicht in den App Store oder den Android-Market gehen, um diese zu laden/kaufen. Für Entwickler ändert sich dann aber nicht viel: Denn sowohl Apple also auch Google und Facebook schneiden eine Provision von 30 Prozent an den App-Einnahmen mit.

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