Das große Geschäft mit noch größeren Facebook-Zahlen

SharesPost Screenshot

Wenn man über Facebook schreibt, dann kommt entweder dauernd die 0er-Taste zum Einsatz, oder der Text wird von den Kürzeln Mio. und Mrd. durchsetzt. Wie auch immer man sich entscheidet, mit Facebook-Zahlen kann man die LeserInnen beeindrucken. Ob Unternehmensbewertung, Mitgliederzahlen oder Nutzung, immer kann man Millionen Menschen, Milliarden Dollar und noch mehr hochgeladene Inhalte mit dem Online-Netzwerk in Zusammenhang bringen. Deswegen will ich in diesem Artikel Einblick geben, wie diese Zahlen, die uns täglich kredenzt werden, zustande kommen und außerdem erläutern, wie mit diesen Wirtschaftsdaten Geschäft gemacht wird.

Bewertungen
Wenn Mark Zuckerberg als reicher als die Google-Gründer bezeichnet und in der Forbes-Liste als jüngster Milliardär der Welt gehandelt wird, dann beruht das immer auf der Firmenbewertung von Facebook. Zuckerberg gehören noch etwa 24 Prozent des Web-Unternehmens, der Rest wurde bereits an andere Teihaber verkauft. Wenn Facebook also wie zuletzt mit 70 Mrd. US-Dollar (50 Mrd. Euro) durch den Investor GSV Capital (ein Techcrunch-Bericht dazu hier), dann wird einfach auf 24 Prozent heruntergebrochen, und voilá: Zuckerberg ist plötzlich 17 Mrd. Dollar schwer.

Dass GSV Capital sich mit 225.000 Anteilen nur einen winzigen Bruchteil an Facebook geschnappt hat und deren Bewertung sich nicht so einfach auf alle anderen Facebook-Anteile umlegen lässt, stört kaum jemanden. Weder weiß man, wie viele Facebook-Promille GSV Capital nun gehören, noch, ob sie „Class A“ oder „Class B“-Anteile bekommen haben. Rentiert hat sich der Kauf für GSV Capital aber auf jeden Fall: Ihr Aktienkurs (NASDAQ: GSVC) schnellte um 21 Prozent hoch, nachdem bekannt wurde, dass sie jetzt Facebook-Anteile halten.

Mitverdienen am Anteilshandel
Weiters wird fleißig auf den Handels-Plattformen SharesPost.com und SecondMarket.com mit Privatanteilen von Facebook gehandelt. Dort stellen Investoren und ehemalige Mitarbeiter Firmenanteile ein und verkaufen sie – ähnlich wie auf eBay – an den Bestbietenden. Bei Sharespost.com hält Facebook derzeit bei 71 Mrd. Dollar (51 Mrd. Euro), was sich mit der GSVC-Bewertung deckt. Das kann aber auch nur Zufall sein, denn Facebook wurde auf der selben Webseite im Jänner 2011 mit bis zu 85 Mrd. Dollar bewertet, um im Februar auf 55 Mrd. Dollar (39 Mrd. Euro) zurückzufallen. Bei SecondMarket.com gab es im März 2011 die höchste Bewertung von Facebook mit 75 Mrd. Dollar (54 Mrd. Euro). Und das natürlich im Sinne der Dienstanbieter: Denn immer, wenn Firmenanteile den Besitzer wechseln, schneiden SecondMarket und SharesPost eine Provision mit, die auf dem Betrag der Transaktion basiert – je höher also die Facebook-Bewertung, desto besser für die Handelsplattformen. Und: SecondMarket.com teilt sich mit Facebook einen Geldgeber: Der Multimilliardär Li Ka-shing aus Hong Kong hat beiderorts viele Millionen Dollar investiert.

Nutzerzahlen
Seit Anfang Juli hat Facebook laut CEO Mark Zuckerberg offiziell 750 Millionen Nutzer. Wie diese Nutzerschaft genau definiert ist, ist dabei nicht ganz klar. Laut Facebook kommen 50 Prozent dieser Dreiviertel Milliarde Menschen täglich auf die Webseite, ob die andere Hälfte aber auch nur einmal im Monat den Finger in Sachen Facebook rührt, ist nicht überliefert. Weil Zuckerberg die Öffentlichkeit mit diesen Zahlen eher spärlich versorgt, gibt es eine ganze Reihe an anderen Firmen, die das Online-Netzwerk analysieren. Für besonders großes Aufsehen sorgten zuletzt Zahlen, die InsideFacebook lieferte: Der Analyse zufolge stellte der Analyse-Dienst im Mai 687 Mio. Facebook-Nutzer und  – viel schlimmer – rückläufige Nutzerzahlen in USA, Kanada und Großbritannien (also den Kernmärkten) fest.

Dieser Schreckensmeldung hielten gleich andere Marktforschungsunternehmen ihre eigenen Zahlen entgegen, ComScore zum Beispiel: Das Marktforschungsunternehmen rechnete im Mai 2011 mit etwa 713,6 Mio. Facebook-Mitgliedern weltweit (registrierte, nicht aktive wohlgemerkt) und wollte rückläufige Userzahlen nicht bemerkt haben. Oder Nielsen: Die Analysefirma Nielsen beeilte sich zu verlautbaren, dass Facebook im Mai nicht 6 Millionen Nutzer verloren, sondern 6,28 Mio. gewonnen hätte (USA Today-Bericht hier).

Mit Facebook verbandelt
Wem also glauben? Zwischen 687 und 713 Mio. Nutzern liegt immerhin eine Differenz von 26 Mio. Nutzern (> 3 x Österreich). Wirklich genau hat hier wohl niemand gemessen. Interessant sind deswegen die Hintergründe jener Firmen, die uns diese Zahlen liefern. InsideFacebook etwa wurde im Mai von dem New Yorker börsenotierten Werbeunternehmen Webmediabrands um 18 Mio. Dollar aufgekauft und gehört damit jener Firma, der auch AppData.comAllFacebook.com und AllFacebook.de (vormals FacebookMarketing.de) gehört. All diese Webseiten leben davon, entweder über Facebook zu berichten und/oder Analysen über Facebook um teures Geld zu verkaufen.

Auch die anderen Mess-Dienste sind mit Facebook verbandelt. ComScore etwa wurde 2001 und 2002 mit Investmentgeldern von Accel Partners unterstützt – jene Risikokapitalfirma, deren Chef Jim Breyer seit vielen Jahren im Vorstand von Facebook sitzt. Auch an der Ojektivität von Nielsen könnte man zweifeln: Denn im September 2009 hat die New Yorker Firma eine mehrjährige Partnerschaft mit Facebook geschlossen, die zum Ziel hat, die Effektivität von Werbekampagnen in dem Online-Netzwerk zu messen. Es ist also im Interesse von ComScore und Nielsen, positive Facebook-Zahlen zu präsentieren.

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