„Die Facebook-Mafia“ II: Die Triebe des Netzwerks

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„Companies like Asana, Path and Quora are trying to solve problems that are inherently social. […] Social in the sense of the messiness that results from people trying to interact online and bringing all the messy aspects of human interaction, communication and relationships with them. They are problems that machines can’t purely solve and people can’t purely solve.“

Sarah Lacy

Ausgehend von einem fantastischen Artikel der Techcrunch-Schreiberin Sarah Lacy beschäftige ich mich in dieser zweiteiligen Serie „Die Facebook-Mafia“ mit den Verbindungen zwischen den vielen zentralen Personen, die in und rund um Facebook aktiv sind und die Firma zu der machen, die sie ist. Wie ich in meinem ersten Post beschrieben habe, gehen die Wurzeln des Erfolgs nicht etwa nur bis zur Gründung 2004 durch Mark Zuckerberg in Harvard, sondern viel weiter. Vielen ist aber nicht die Klärung der Vergangenheit, sondern der Blick in die Zukunft wichtiger: Was kommt nach Facebook?

Abgesehen von Mark Zuckerberg haben sich alle frühen Mitarbeiter (mit 1 bis 5 Prozentanteilen an der Firma) von Facebook verabschiedet und versuchen jetzt, ihr eigenes Ding durchzuziehen. Ihnen ist das Schlagwort „social“, wie im Zitat von Lacy oben zu lesen ist, wichtig. Die Dienste und Technologien der Ex-Facebooker sind geprägt von der Grundidee von Facebook, Menschen via Technologie zu verbinden, um Aufgaben leichter lösen zu können. Mit Facebook sind von der Geburtstagsparty über die Produktbewerbung bis hin zur Revolutionsanstiftung viele Formen der Organisation möglich. Auch die Nachfolgefirmen von Facebook setzen vollen auf den „Social Graph“, sind in ihrer Zielsetzung aber spezifischer.

Im Folgenden will ich diese sechs Nachfolgefirmen von Facebook vorstellen sowie die geschäftlichen und personellen Beziehungen zu Mark Zuckerberg und dessen Geldgebern durchleuchten (wichtige Protagonisten und Firmen sind gefettet).

 

Quora:

Der derzeit populärste Web-Dienst, der aus Facebook hervorgegangen ist, ist mit Sicherheit die Q&A-Seite Quora. Sie wurde im Juni 2009 vom ehemaligen Facebook-CTO Adam D´Angelo und dem Ex-Facebook-Ingenieur Charlie Cheever gegründet, der wegen Quora seinen sicher gutbezahlten Job bei Facebook aufgab. Die Grundidee: Nutzer können der Community Fragen stellen, wer eine Antwort weiß, kann sie darunter schreiben. Quora setzt stark auf bestehende virtuelle Beziehungsgeflechte bei Facebook und Twitter – Kontaktlisten können importiert und abgeglichen werden. Interessanterweise ist neben vielen Silicon-Valley-Persönlichkeiten die komplette Führungsriege von Twitter (Costolo, Williams, Stone) bei Quora vertreten. Interessanter ist aber der bis dato einzige Geldquelle von Quora: Die Investment-Firma Benchmark Capital hat sich mit elf Millionen US-Dollar eingekauft. Als Early-Stage-Investor hat Benchmark bereits viele hunderte Millionen US-Dollar bei Web-Diensten wie Twitter, eBay oder den Second-Life-Machern Linden Lab angelegt. Außerdem hat Benchmark bei Asana und FriendFeed (2009 von Facebook aufgekauft) investiert. Auch Facebook-Mitarbeiter haben laut Crunchbase schon einmal für Benchmark Capital gearbeitet: Der derzeitige Facebook-CTO Bret Taylor (Ex-FriendFeed) und der ehemalige Facebook-Produktmanager Matt Cohler.

 

Asana:

Ein weiteres Nachfolge-Produkt von Facebook ist Asana und wurde von Ex-Facebook-Urgestein Dustin Moskovitz und dessen Partner Justin Rosenstein, einem ehemaligen Facebook-Mitarbeiter, gegründet. Die Idee: Eine Kollaboration-Software für Unternehmen zu schaffen, die Facebook-Funktionalitäten vom Privat- ins Berufsleben holt. Wie Lacy in ihrem Artikel schreibt, wird vor allem bei Asana ein „Kult um die Ingenieure“ betrieben: So darf jeder Programmierer seinen Schreibtisch um 10.000 US-Dollar pimpen. Bereits 5000 Firmen stehen derzeit Schlange, um Asana antesten zu dürfen. Die Geschäftsbeziehungen des Start-ups selbst sind tief in der Facebook-Mafia verwurzelt. So teilt man sich mit Quora den Investor Benchmark Capital, bekam außerdem Gelder von Andreessen Horowitz (Marc Andreessen sitzt im Facebook-Vorstand), Founders-Fund-Chef Peter Thiel (er sitzt im Facebook-Vorstand), Quora-Gründer Adam D´Angelo, Ex-Facebook-Präsident und Causes-Gründer Sean Parker sowie dem ehemaligen Facebook-Produktmanager Matt Cohler.

 

Causes:

Causes hegt den gleichen Grundgedanken wie Jumo und wurde als Spenden-Plattform, die eng mit Facebook verzahnt ist, gegründet. So kann man sich mit Facebook-Account einloggen, die zugehörige Facebook-App ist stets in den Top 10 der meist genutzten Plattform-Anwendungen zu finden. Eng verzahnt ist die Firma (Motto: „We host a Friday happy hour every week and have a variety of beers on tap. It turns out that saving the world is more fun with a little buzz“) auch mit der Firma von Mark Zuckerberg. Gründer ist der ehemalige Facebook-Präsident Sean Parker (auch Napster-Mitgründer), finanziert wird sie von einer Reihe interessanter Investoren, zuallererst vom Founders Fund, der Investement-Firma von Facebook-Vorstand Peter Thiel, für die auch Parker arbeitet. Dustin Moskovitz (Asana), Dave Morin (Path), Ali Partovi (Facebook-Investor), Scott Banister (PayPal-Berater), Sam Lessin (Facebook, Ex-Drop.io) und Marc Benioff (seine Firma Salesforce kooperiert mit Facebook) haben ebenfalls Geld in das philantropische Unternehmen gesteckt.

 

Jumo:

Ein wenig wie ein Außenseiter wirkt Chris Hughes, der einer der ersten vier Mitarbeiter bei Facebook war und später als junges Aushängeschild für den Online-Wahlkampf von US-Präsident diente. Sowohl in der „echten“ Geschichte als auch im Facebook-Film „The Social Network“ kommt ihm nur eine Nebenrolle in der großen Facebook-Story zu. Das setzt sich in seinem neuen Projekt Jumo fort: Der Web-Dienst, der Facebook-Nutzer mit Non-Profit-Organisationen vernetzen will, taucht so wie sein Schöpfer in den Verstrickungen der „Facebook-Mafia“ nicht auf. Auch der Firmensitz ist anders als die restlichen Facebook-Nachfolgefirmen nicht im Silicon Valley, sondern in New York. Die einzige Connection ist technischer Natur: In die vorliegende Beta-Version von Jumo kann man sich nur mit Facebook-Account einloggen.

 

Cloudera:

Gemeinsam mit Google-Ingenieur Christophe Bisciglia, Yahoo!-Ingenieur Amr Awadallah und dem Internet-Unternehmer Mike Olson hat der ehemalige Facebook-Datenanlyst Jeff Hammerbacher die Software-Plattform Cloudera ins Leben gerufen. Sie basiert auf der Open-Source-Software Hadoop und soll riesige Datenmngen in Unternehmen effizienter verarbeiten und anlysieren können. IT-Größen wie Google, Microsoft, Yahoo! und Facebook setzen auf Hadoop, zu den Kunden von Cloudera selbst zählen Groupon, ComScore. Samsung, Navteq sowie die Werbe-Tracking-Firma RapLeaf, die von Peter Thiel vom Founders Fund mitfinanziert wird. von Auch die Liste der Investoren liest sich spektakulär: Die Facebook-Investoren Accel Partners, Meritech Capital und Greylock Partners haben Geld in die junge Firma gesteckt. Auch der ehemalige Finanz-Chef von Facebook, Gideon Yu (er handelte den Einstieg von Microsoft ab), hat investiert. Anzumerken ist auch das Investment durch In-Q-Tel, einer Tochterfirma der CIA, die eng mit dem Facebook-Investor Greylock Partners verbandelt ist.

 

Path:

Mit Path hat der ehemalige hochrangige Facebook-Mitarbeiter Dave Morin gemeinsam mit Napster-Gründer Shawn Fanning sein eigenes Online-Netzwerk auf die Beine gestellt. Path folgt dabei der Grundregel, dass ein Nutzer maximal 50 Freunde haben kann, und ist stark auf die mobile Nutzung am Handy ausgelegt. Hohen Stellenwert genießen dabei Fotos, die von den Nutzern hochgeladen und rund um die Interaktion entstehen soll. Keine neuen Pfade beschreitet Morin, wenn es um die Finanzierung seines Dienstes geht. So haben einige alte Bekannte ihr Geld bei Path gelassen, darunter Dustin Moskovitz von Asana, der Founders Fund von Peter Thiel und Sean Parker, der ehemalige Facebook-Executive Chris Kelly sowie der ehemalige Facebook-Produktmanager Matt Cohler. Weitere namhafte Investoren sind Salesforce-Chef Marc Benioff, Digg-Gründer Kevin Rose, Schauspieler Ashton Kutcher, FriendFeed-Mitgründer Paul Buchheit sowie Facebook-Managerin Ruchi Sanghvi.

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