Länderreport: Facebook-Nutzung in Malaysia

Fakebook_T-Shirt Credit: Jakob Steinschaden
Einkaufszentrum in Kuala Lumpur: Facebook ist allgegenwärtig

„Ich hab eure Namen auf Facebook nachgeschaut, damit ich weiß, wie ihr ausseht.“ Die 21-jährige Sharon überlässt beim Treffen in Kuala Lumpur mit meinen Reisebegleitern und mir nichts dem Zufall. Vor ein paar Jahren noch wurde man gegoogelt, heute wird man gefacebookt – natürlich auch in Malaysia. In dem 27-Millionen-Staat in Südostasien sind laut Analyse-Dienst Checkfacebook.com mehr als acht Millionen Menschen bei Facebook registriert – damit ist die Mitglieder-Dichte höher als etwa in Österreich (26 Prozent) oder Deutschland (15 Prozent).

„Ich bin hier mit 100 Freunden wohl die Ausnahme, denn hier addet jeder jeden“, sagt Sharon. Das ist sie tatsächlich. Denn laut einer Studie des Markforschungsinstituts TNS haben Facebook-Nutzer in Malaysia die meisten Kontakte: 233 Facebook-Freunde zählt der durchschnittliche Malaye, während es im weltweiten Durchschnitt 130 sind. Damit sind die Nutzer in dem Schwellenland kontaktfreudiger als Brasilianer (231), Norweger (217)  oder Österreicher (119). In Malaysien sind die Nutzer übrigens auch am längsten bei Facebook online: Neun von zwanzig Stunden pro Woche widmen sie der virtuellen Freundschaftspflege, während es im weltweiten Schnitt „nur“ 4,6 Stunden sind.

Einflüsse

Warum die Facebook-Nutzung in Malaysia so intensiv ist, hat die Studie nicht erhoben. Mein zweiwöchiger Aufenthalt in der Region zeigte mir aber täglich jene Faktoren, die diesem Verhalten wahrscheinlich sehr zuträglich sind:

+ Islam: Zur Staatsreligion des Islam bekennen sich etwa 60 Prozent der Bevölkerung, Kopftücher und seltener Burkas gehören zum Straßenbild. Zwar wird der Islam nicht so streng gelebt wie etwa in Saudi-Arabien (Frauen dürfen Auto fahren), doch der direkte Kontakt zwischen Frauen und Männern, die nicht Vater, Bruder oder Ehemann sind, wird doch unterbunden oder zumindest nicht gern gesehen. Via Facebook haben die Muslime die Möglichkeit, sich zumindest online auszutauschen.

+ Chinesische Minderheit: Etwa ein Viertel der Bevölkerung sind chinesischer Abstammung. Ihre Familien zeichnen sich vor allem durch ihre Größe aus, wie ich auch bei meinen Bekannten, die der Minderheit angehören, feststellen konnte. Diesen Großfamilien gehören oft ganze Stadtviertel oder Straßenzüge, physisches Zentrum sind oft Clan-Häuser, die Tempeln ähneln. Allein durch die Vernetzung dieser Familien können sich bei Facebook riesige Freundeslisten ergeben, was die hohe Freundeszahl der Malayen zum Teil erklärt.

+ Wirtschaft: Firmen in Malaysien sind bereits voll auf Facebook aufgesprungen. Ob bei McDonald´s oder der Apotheke ums Eck: Überall wird mit einem kleinen weißen „f“ auf blauem Grund dazu aufgefordert, deren Facebook-Seite und nicht etwa die Homepage zu besuchen. Örtliche Internet-Provider positionieren sich außerdem als Zugangspunkte nicht zum Web, sondern zum Web 2.0, insbesondere natürlich Facebook.

+ Breite Mittelschicht: Egal ob in der Metropole Kuala Lumpur oder der zweitgrößten Stadt George Town auf der Insel Penang: Riesige Shopping-Center und ihre Besucher zeugen von einer kaufkräftigen Mittelschicht, die sich Internetzugang und Smartphones leisten kann, über die auf Facebook zugegriffen wird. iPhones und teurere HTC-Handys gehören zum Straßenbild.

+ Medien: In Zeitung und TV ist Facebook genauso wie bei uns immer wiederkehrendes Thema. „Facebook in, privacy out?“ titelte etwa die Lokalzeitung in Penang und zeigte damit, dass brisante Fragen zu Privatsphäre und Datenschutz in dem südostasiatischen Land genauso wie bei uns behandelt werden.

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