Profil-Kosmetik im Auftrag der Datensammlung

Neues Profil_Credit Facebook.jpg

Unter viel zu lautem Wirbel bei der CBS-Show „60 Minutes“ (YouTube-Video) hat Mark Zuckerberg ein neues Layout für Facebook-Profile präsentiert. Sie haben im Prinzip nur zum Ziel, die Nutzer länger auf der Seite zu halten, mehr Personendaten abzufragen und erstmals in Konkurrenz zu Business-Netzwerken wie LinkedIn zu treten. Große Vorteile für die Nutzer sehe ich nicht wirklich. Die Neuerungen und ihre Ziele im Überblick:

Zusammenfassung: Die neuen Facebook-Profile zeigen oben eine so genannte „Momentaufnahme“ der Tätigkeiten einer Person an, und zwar Beziehungsstatus, Ausbildung, Alter, Wohnort etc. Beim Umstieg auf das neue Profil wird man aufgefordert, diese Daten zu vervollständigen – eine gute Gelegenheit für Facebook, uns noch mehr Daten aus der Nase zu ziehen. Immerhin sieht das Profil unvollständig aus, wenn man diese Informationen nicht angibt. Weiters werden in einer Leiste die aktuellsten, von anderen markierten Fotos angezeigt. Damit verliert man einige Kontrolle, was im Profil angezeigt wird, da es im Ermessen der anderen Nutzer liegt, ob Fotos dem Profil zugerechnet werden. Ausblenden muss man es immer selbst. Dass man getaggt wird, kann man in den Privatsphäre-Einstellungen ausschalten.

Aktivitäten: Facebook will, dass man ausführlicher zeigt, womit du seine Zeit verbringt. Unter diesem Mantel versucht Facebook die Mitglieder auszuhorchen, welcher Ausbildung und welchen Job man nachgeht. Diesen Bereich hat das Online-Netzwerk bis dato vernachlässigt, geht damit aber in Konkurrenz zu spezialisierten Netzwerken wie LinkedIn oder XING. Brisanterweise ist LinkedIn-Chef Reid Hoffman bei Facebook persönlich als auch über die Risikokapital-Firma Greylock Partners beteiligt.

Interessen: Das Übersetzer-Team der neuen Funktionen hat den Nagel – wohl unabsichtlich – auf den Kopf getroffen. Mit dem Sätzchen „Stelle deine Interessen zur Schau werden die Nutzer aufgefordert, mehr Interessen bekannt zu geben. Das ist Business-technisch wertvoll, weil man sich damit mit Marken und Produkten (z.B. Filmen, Büchern, TV) vernetzt.

Unendlich scrollen: Die neue Funktion „Infinite Scroll“ erlaubt es, mehr Fotos zu durchstöbern. Das hält die Nutzer länger auf der Seite, was wiederum wichtig für die Werbeeinschaltungen ist.

Freunde kategorisieren: Mit der Funktion „feature specific friends“ kann man seine Facebook-Kontakte in neue Listen (Mitarbeiter, Freunde, Familie etc.) einteilen. Damit bekommt Facebook geneuaere Daten über den persönliche „Social Graph“. Umgekehrt gibt es keine Möglichkeit zu verhindern, selbst als Mitarbeiter, Familienmitglied etc. getaggt zu werden.

Gemeinsamkeiten: Groß kommuniziert werden im neuen Profil auch die so genannten „Friendship Pages“. Sie zeigen gemeinsame Interessen, Interaktionen und Aktivitäten zwischen zwei Facebook-Nutzern an. Von Kritikern wurde die Funktion als sehr gutes „Stalking-Tool“ bezeichnet.

Einstellungen: Die Privatsphäre-Einstellungen ändern sich durch den Umstieg nicht. Allerdings sollte man dem Umstand gewahr sein, dass andere mehr Daten auf einen Blick im neuen Profil finden als vorher.

Nicht rückgängig: Wer auf das neue Profil einmal umgestiegen ist, kann dies nicht rückgängig machen. Wer schon jetzt umsteigen will, folgt den Anweisungen des PC Magazine. Die Änderung kann allerdings nicht rückgängig gemacht werden. Alle anderen werden im Zuge der nächsten Wochen und Monate umgestellt.

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