Warum Facebook kein eigenes Handy baut

Facebook Mobile_Credit: Facebook

Als vor einigen Wochen von Michael Arringtons Techcrunch-Artikel wilde Spekulationen über ein eigenes Facebook-Handy auslöste, hatte man das Ding schon vor dem inneren Auge: Im schlichten, selbstverständlich blauen Design, ein Touchscreen, und eine Spur günstiger als Smartphones von HTC oder Apple. Auch über das Betriebssystem glaubte man schon viel zu wissen: Im Look wie die iPhone-App, mit „Freunde“ im Adressbuch, die „Inbox“ für SMS, „Fotos“ aus der Kamera, „Orte“ zum Navigieren. Einen App Store könnte Facebook theoretisch auch gleich anhängen, schließlich gibt es mehr als 500.000 Applikationen, die bereits auf der Internet-Plattform aufsetzen.

Die Mannschaft für ein solches Projekt scheint sich Facebook auch zusammen gesucht zu haben: Eric Tseng kam als Android-Entwickler von Google, Matthew Papakipos entwickelte bei eben jener Firma ChromeOS mit, und Joe Hewitt von der übernommenen Firma Parakey bastelte sämtliche Handy-Apps von Facebook.

Bei genauerer Betrachtung widerspricht aber das Facebook-System einem eigenen Handy. Das Online-Netzwerk ist in sich geschlossen: Es saugt Daten in sich auf, gibt sie aber nicht wieder her, wie jüngst auch der Streit mit Google bezüglich Kontaktdaten zeigte. Das funktioniert in der Internet-Welt, aber nicht in der Handy-Welt. Dort muss es die Möglichkeit geben, auch andere Menschen als Facebook-Mitglieder anrufen oder ihnen eine SMS schicken zu können. Auch die mobile Internetnutzung wäre stark eingeschränkt, wenn man am Facebook-Handy, der Logik folgend, nur Facebook-Seiten, nicht aber normale Webseiten abrufen könnte.

Die verhältnismäßig kleine Firma wäre überfordert damit, selbst Deals mit Handy-Herstellern einzufädeln, diese dann weltweit auszuliefern und entsprechende Verträge mit den Mobilfunkern auszuhandeln. Selbst der große Bruder Google ist bei dem Versuch, mit dem „Nexus One“ ein eigenes Handy online zu vertreiben, gescheitert. Apple hat viele Jahre gebraucht, um das iPhone zu entwickeln und hat Jahrzehnte in der Produktion von Hard- und Software am Buckel – Facebook ist gerade einmal sechseinhalb Jahre alt.

All das weiß natürlich auch Mark Zuckerberg. Er und seine Firma haben deswegen einen sehr schlauen Weg gefunden, ohne eigenem Handy und ohne eigenem Betriebssystem trotzdem den Weg in mobile Software zu finden. Dazu wurden keine Apps gebaut – die haben sie schon -, sondern Bausteine angeboten, die andere App-Entwickler in ihre Produkte einbinden können. Das erspart Facebook sehr viel Arbeit, nutzt die mittlerweile gefestigte Position als größte Online-Community und sichert ihnen trotzdem jenen Datenfluss, den auch Google, Apple oder Microsoft von ihren Handy-Nutzern bekommen. Die drei Bausteine:

1. Der ultimative Login

Login with Facebook_Credit: Facebook

Diesen Button wird man künftig in immer mehr Handy-Apps (Android, iPhone, BlackBerry, Windows Phone 7) zu finden sein. Anstatt einen neuen Account bei einem Service wie SCVNGR, Yelp oder Groupon anzulegen, loggt man sich mit seiner Facebook-ID ein. Dazu muss man in Zukunft nur mehr in der Facebook-App angemeldet sein, durch eine API werden die Login-Daten an die Fremdanbieter weitergeleitet – die Erlaubnis dazu erteilt man mit dem Klick auf den blauen Knopf. Die Kooperationspartner geraten dadurch in die Abhängigkeit von Facebook, da ihre Community eigentlich die des Online-Netzwerkes ist.

2) Ortungs-Funktion

Noch gefinkelter wird die Sache, wenn man sich die „Places API“, die Facebook App-Entwicklern zur Verfügung stellt, genauer ansieht. Sie sieht vor, dass Geodaten von Facebook-Mitgliedern an Fremdfirmen weitergegeben werden können. In der Praxis soll etwa ein Foursquare-Nutzer seine Position mit dem Dienst erfassen und gleichzeitig auch bei Facebook veröffentlichen können. Dadurch kann Facebook den Aufenthaltsort seiner nicht mehr nur über die eigene App bestimmen, sondern macht Foursquare, Gowalla, SCVNGR, Loopt, Yelp und andere Dienste zu Handlangern, die dem Online-Netzwerk bei der Geodaten-Erfassung freiwillig und kostenlos unterstützen. Für die Nutzer wird das Check-In-System, ohnehin schon komplex, noch undurchschaubarer, da man bei jeder Anmeldung zu einem neuen Geo-Dienst daran denken muss, dass die eigene Position auch sehr schnell im Facebook-Profil landet.

3) Das Handy als Gutschein-Heftchen

Für die Wirtschaft, die immer stärker ins Facebook-System drängt, wurde natürlich auch eine Funktion erfunden. Mit der „Deals Platform“ bekommen Unternehmen die Möglichkeit, ihre Angebote mit Gutscheinen in der Facebook-App zu bewerben. Der Nutzer lässt sich per GPS orten und bekommt dann angezeigt, welche Shops in der Nähe welche Rabatte anbieten. Mit einem Klick löst man ihn ein und zeigt ihn dann an der Kassa oder dem Kellner, um die Vergünstigung in Anspruch zu nehmen.

Um als Firma mitmachen zu können, braucht man eine Facebook-Seite, über die ein neues Interface (soll in den kommenden Wochen starten) die Erstellung von Gutscheinen möglich wird. Dabei wird man Deals in vier verschiedenen Kategorien machen können: Individuelle Deals für einzelne Gutscheine, Friend Deals für Gruppenermäßigungen, Loyality Deals als Treuebonus (z.B. 5 Checkins – ein Gratisbier) sowie Charity Deals als Spendenmöglichkeit. Die „Deals Platform“ ist kostenlos nutzbar, könnte Facebook bei Erfolg aber als neue Einnahmequelle dienen, indem man entweder bei den Deals mitschneidet oder eine Gebühr für die Nutzung des Services bei Unternehmen einhebt.

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